Das Staatliche Bauhaus ist Teil eines umfassenden Modernisierungsprojektes in der Weimarer Republik, das alle gesellschaftlichen Felder betraf. In der Architektur und dem Design sind progressive Kräfte aktiv, die das eigene Handlungsfeld als Labor für Innovationen und zur Umsetzung von kollektiven Lebensutopien begreifen. Walter Gropius, Herbert Bayer, Ernst May und Margarete Schütte-Lihotzky sind als einige der zentralen Repräsentanten dieses Erneuerungsstrebens zu nennen, hatten sie doch in ihren Wirkungskreisen am Staatlichen Bauhaus in Dessau und der Stadt Frankfurt am Main neue Wege der Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung beschritten. Geradezu sinnbildlich für die Umsetzung der Ideen der Moderne steht die 'Frankfurter Küche', die als Innovation der Innenarchitektur Impulse für eine neue Lebensführung gibt. Margarete Schütte-Lihotzky, die die Frankfurter Küche entwickelte, führt gleich mehrere Gründe an: Auf der Grundlage von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen, die den Wohnraum nach Kriterien der industriellen Betriebsführung untersuchten, strebte die Innenarchitektin danach, die Handlungen in der Küche effizienter zu gestalten, die eingesparte Zeit und Energie für eine Berufstätigkeit der Frau einzusetzen und die in der Berufstätigkeit durch die Frau erwirtschaftete Finanzen als Instrument zu verstehen, die Gleichberechtigung der Frau zu forcieren.

 

Die Frankfurter Küche ist in einer modifizierten Form in Bauten des International Style rezipiert worden. Auch in Wohngebäuden der White City in Tel Aviv, speziell im so genannten Liebling House, sind Arbeitsküchen auf der Grundlage rationalisierter Betriebsführung und in der Nachfolge des 'Neuen Bauens' installiert worden. Denn die Frankfurter Küche und die Rezeption durch Bauhäusler trifft in Tel Aviv und Jerusalem auf eine gewachsene architektonische Formensprache und Stadtplanung mit orientalischer Ausrichtung einerseits und ist verbunden mit der Utopie eines neuen Staates andererseits, der den Juden eine neue Heimstatt bietet und damit das Ende der Diaspora verspricht.

 

Das Projektseminar widmet sich der ‚Frankfurter Küche‘ als Sinnbild und praktische Teilumsetzung einer kollektiven, Industrie geprägten Lebenskultur. Das Seminar ist Bestandteil des Austauschprojektes zwischen der Bezalel* Academy in Jerusalem, und dem White City Center Tel Aviv, und basiert auf einer Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum in Frankfurt/M., das gemeinsam mit dem White City Center und der Kunsthochschule Kassel (Kunstwissenschaft, Produktdesign) eine experimentelle Szenografie für 2019 vorbereitet.